Ausbildung zum/zur Supervisor/in Interner Bereich Ausbildung 2017

 

Beginn der nächsten Ausbildung: Herbst 2020.
Die Dauer der Ausbildung beträgt 2-3 Jahre.

Für die Ausbildung ist eine Zertifizierung nach den Standards der DGSv beantragt.

Unsere Zielgruppe sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern, die eine umfangreiche Vorqualifikation durch mehrjährige Berufserfahrung und verschiedene Fortbildungen besitzen und das Berufsbild des Supervisors bereits durch eigene Supervisionserfahrung kennengelernt haben.

 

Struktur der Ausbildung:

In einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren finden folgende Veranstaltungen statt:
(Unterrichtsstunden zu 45 min)

  • 7 Module, Kurswochen zu je 5 Arbeitstagen mit 10 Unterrichtsstunden pro Tag
  • 6 Vertiefungsmodule, 3 eintägige und 3 zweitägige Arbeitstreffen mit jeweils 10 Unterrichtsstunden pro Tag
  • Theoriegruppe, 8 Arbeitstreffen zu jeweils 8 Unterrichsstunden mit und ohne Lehrpersonal
  • Balintgruppe, 15 Sitzungen zu jeweils 4 Unterrichtsstunden
  • Lehrsupervision, mindestens 50 Unterrichtsstunden
  • Lernsupervision, mindestens 90 Unterrichtsstunden

 

Kosten der Ausbildung:

Die Kursgebühr beträgt 7.200,- EUR.
Eine Anzahlung von 200,- EUR ist bei Vertragsunterzeichnung zu entrichten, die weiteren Gebühren sind jeweils 14 Tage vor Beginn einer Kurswoche in Raten von 1.000,- EUR zu überweisen.
Zusätzlich muss die Lehrsupervision bezahlt werden, deren Konditionen direkt zwischen Ausbildungskandidat/in und Lehrsupervisor/in vereinbart werden.

Richten Sie bitte die üblichen Bewerbungsunterlagen schriftlich an die Analytische Praxis. Die Kontaktdaten finden Sie im Seitenfuß. Ihre Unterlagen sollten einen Lebenslauf und Angaben über Ihre Fortbildungen enthalten.
Wir stehen für Anfragen jederzeit zur Verfügung. Sie können uns zudem jeden Donnerstag zwischen 15oo und 17oo Uhr persönlich erreichen.

 

Module: Themen, Inhalte, Ziele

Die Ausbildungskandidaten/innen werden mit den lerntheoretischen Grundlagen vertraut gemacht. Sie erhalten während der gesamten Ausbildung die Gelegenheit, den von der Kursleitung demonstrierten Ansatz unter Anleitung einzuüben. Die Kursleitung wird regelmäßig die praktischen Übungen mit theoretischen Aspekten verknüpfen, um eine ganzheitliche Lernerfahrung zu ermöglichen. Die beruflichen Bezüge der Ausbildungskandidaten/innen werden als Erfahrungs­hinter­grund einbezogen.

Modul 1 Qualifizierte Supervision - Auftrag und Selbstverständnis
Inhalte Zu Beginn werden die Teilnehmer (TN) mit der Struktur, den Inhalten und Anforderungen/Zielen der Qualifikation vertraut gemacht.
Sie werden auch über die beteiligten Referenten/innen sowie die Arbeitsformen und -möglichkeiten im Institut und mit Onlineportalen (Moodle, Webinar) informiert, ebenso über Formen und Umfang des Eigenstudiums.
Es erfolgt eine themenbezogene Einführung in die Möglichkeiten und Grenzen von Supervision. Hierzu wird die Doppelrolle von Supervision als Kontroll- und Förderinstrument beleuchtet und in unterschiedlichen beruflichen Non-profit und Profit-Kontexten (Verwaltung, Politik, Gemeinwesen oder Wirtschaftsunternehmen) erläutert.
Aus der Geschichte der Supervision werden die wesentlichen Aspekte der verschiedenen Ansätze (Integrative SV, Gruppendynamische SV, Analytische SV) vorgestellt und gegeneinander abgegrenzt. Der Schwerpunkt liegt auf der Differenzierung zwischen non-direktiven Formen der Beratung mit dem Fokus auf prozessualer Entwicklung und direktiven Verfahren mit dem Fokus auf Therapie.
Hieraus ergibt sich die gemeinsame Sichtung möglicher Arbeitsbereiche für Supervision im Umfeld beruflicher Tätigkeit sowie eine kurze Analyse des Supervisionsmarktes. Der methodische Aufbau von Supervisionsprozessen und die formalen Rahmenbedingungen wie Akquise, Angebotserstellung, Vertragsgestaltung und Prozesseröffnung werden erläutert und geübt.
Hierbei werden noch einmal die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Individual- und Organisationsberatung verdeutlicht.
Ziele Die TN gewinnen Sicherheit durch einen Überblick über den Gesamtrahmen der Ausbildung und können die eigenen Berufswünsche anhand der vorgestellten Anforderungen kritisch überprüfen. Sie lernen, die unterschiedlichen Formen von entwicklungsorientierter Supervision unter verschiedenen Aspekten und in verschiedenen Kontexten zu unterscheiden und von direktiv/therapeutischen Formen abzugrenzen. Die TN erlernen die grundlegende Terminologie und können erste Einschätzungen ihrer zukünftigen Rolle vornehmen und kommunizieren. Sie können Arbeits- und Aufgabenbereiche identifizieren und akquirieren, erste bedarfsangemessene Angebote erstellen und Eröffnungs-/Prozessszenarien entwerfen.
Arbeits­formen Präsenz-Seminar; Referat; Online-Arbeit (Moodle, Webinar); Interview; Literaturstudium; Diskussion; Rollenspiel
Leistungs­nachweis Schriftliche Hausarbeit
Dozent(en) Martin Eimbeck, Heidi Möller, Annette Gerlach
Literatur Was ist gute Supervision? Heidi Möller, 2001
Dauer 50 Stunden (1 Woche/5 Tage à 10 Unterrichtsstunden)
Modul 2 Theoriegestützte Supervision
Inhalte Supervision basiert auf der Kompetenz, das eigene und das Handeln Anderer reflektiert beobachten, analysieren und ansprechen zu können. Zu diesem Zweck werden die Grundaussagen der Psychoanalyse und relevante Aspekte anderer Sozialisations- und Interaktionstheorien eingeführt und ausführlich beleuchtet.
Dieser Theorierahmen wird durch Literaturstudium, Diskussion und Analyse eigener und fremder Fallbeispiele kontinuierlich überprüft und ausdifferenziert.
Anhand diverser Beispiele werden die psychodynamischen Prozesse von Übertragung und Gegenübertragung und ihre Wirksamkeit fokussiert. Als Beispiele dienen sowohl konkrete Fälle aus beruflichen Kontexten wie auch die von Ausbildungskandidaten/innen durchgeführten Supervisionsprozesse.
In diesem Prozess werden die TN angeleitet, das Handeln Anderer und die eigenen Deutungen und Interventionen reflexiv/introspektiv zu überprüfen und sich mit den zugrundeliegenden Motiven auseinanderzusetzen und diese anzusprechen.
Auf dieser Basis von reflexivem und partizipativem Verständnis von beratender Supervision erarbeiten die TN Alternativen, die neue Spielräume und Zielsetzungen ermöglichen. Sie planen und üben Prozessverläufe, in denen diese gemeinsam kommuniziert und vereinbart werden.
Zudem wird thematisiert, dass die eigene Rollenübernahme des Supervisors/der Supervisorin zwischen Distanz und Nähe zu einer distanziert-reflektierten Supervisionshaltung führen muss, die ein dynamisches Aushandeln der Rollen und damit erst Supervision ermöglicht.
Ziele Die TN erwerben die notwendigen theoretischen Wissensbausteine, mit denen sie das Verhalten und Agieren der am Supervisionssprozess Beteiligten reflektiert beobachten, (selbst-)kritisch analysieren und angemessene Deutungen anbieten und kommunizieren können.
Sie sind in der Lage, die unbewussten Anteile ihres Verhaltens und Tuns wahrzunehmen, kritisch zu hinterfragen, Phänomene von eigener Abwehr, Scham, Macht und Ohnmacht zu deuten und so die Dynamik der Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse kompetent zu steuern.
Sie verstehen den Prozesscharakter von beratender Supervision, können diese kooperativ projektieren und konkurrierende und ambivalente Erwartungen moderieren bzw. integrieren bzw. aushalten (Containern).
Die TN können Entwicklungsziele dialogisch entwickeln und zum Entwurf neuer Handlungsspielräume kommunikativ anleiten.
Arbeits­formen Präsenzseminar; Input-Referat; Literaturstudium; Team- und Gruppenarbeit; Fallstudien
Leistungs­nachweis Schriftliche Hausarbeit
Dozent(en) Bernd Jansen, Annette Gerlach
Literatur Supervision für Gruppen und Teams, Rappe-Giesecke, 2003
Dauer 50 Stunden (1 Woche/5 Tage à 10 Unterrichtsstunden)
Modul 3 Rolle und Identität
Inhalte Das Supervisionsgeschehen wird von Erwartungen und Zuschreibungen bestimmt, die an die einzelnen Protagonisten und ihre jeweilige Rolle herangetragen werden.
Die TN sollen sich in diesem Modul mit dem Inventar der einzelnen Rollen auseinandersetzen.
Sie unterscheiden, ob Rollen zugeschrieben oder erworben werden und erfahren, dass die damit verbundenen Attribute und Verhaltenserwartungen einerseits zu Orientierung und routinierter Interaktion, andererseits aber auch, und besonders im Arbeitsbereich der Supervision, zu Konflikten führen können.
Die TN unterscheiden die Rollen der am Geschehen Beteiligten nach dem Grad der Institutionalisierung (z. B. Leitungsrollen) und dem damit verbundenen Sanktionierungspotenzial.
Es wird ebenso vermittelt, dass Rollen einem Wandel unterliegen und dynamisch-interaktiv ausgehandelt werden können. Je präziser das Inventar der einzelnen Rollen identifiziert wird, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich für die Supervisorin und den Supervisor, einfühlsam und supervisorisch auf Intrarollenkonflikte einzuwirken. Diese sind auf institutionelle (Position, Aufgabe, Organisationsstruktur, Betriebskultur etc.) und personale (Macht, Angst, wirtschaftliche Zwänge etc.) Anteile hin zu untersuchen und zu bearbeiten. Gelungene Supervision moderiert den Ausgleich zwischen Erwartungszwängen und freien Entscheidungs- und Handlungsspielräumen.
Ebenso werden die TN mit der Aufgabe konfrontiert, die eigene Rolle als Mittler zwischen "Person-Person" und "Person-Organisation" distanziert einzunehmen und sich der Erwartungen und Widerstände bewusst zu sein. Unsere Aufgabe ist es, die TN unterstützend bei der Findung und Bejahung der eigenen authentischen Rolle als Supervisor/in zu begleiten.
Ziele Die TN können Erwartungen und Zuschreibungen, die an bestimmte Rollen geknüpft sind, identifizieren und kommunizieren.
Sie können Rollen der an Interaktion Beteiligten nach ihrer Art (institutionell, personal) unterscheiden, daraus resultierende Handlungs- und Kommunikationsmuster analysieren und supervisorisch intervenieren.
Sie können Konflikte, die aus konkurrierenden und ambivalenten Rollenerwartungen erwachsen, ansprechen und moderieren bzw. aushalten (Containern).
Die TN werden zum Aushandeln von Rollen und des damit verbundenen Erwartungs- und Zuschreibungsinventars angeleitet und so zum Entwurf neuer Handlungsspielräume angestiftet.
Die TN erkennen und bejahen die Mittlerrolle als Supervisor/in und die damit verbundenen Möglichkeiten und Widerstände.
Arbeits­formen Impulsreferat; Rollenspiel; Videoanalyse; Kleingruppenarbeit; Diskussion praktischer Beispiele und relevanter Literatur; häusliches Theorie- und Literaturstudium
Leistungs­nachweis Aktive Beteiligung an Diskurs und Diskussion; schriftliche Hausarbeit
Dozent(en) Adrian Gärtner, Annette Gerlach
Literatur wird im Seminar nachgereicht
Dauer 50 Stunden (1 Woche/5 Tage à 10 Unterrichtsstunden)
Modul 4 Team- und Gruppensupervision
Inhalte In diesem Modul werden wir uns mit den Themen Teamarbeit und Team-/Gruppensupervision befassen. Die TN lernen unterschiedliche Konzepte und Methoden von Supervision in der Triade und in der Gruppe kennen. Ausgehend von den eigenen Erfahrungen der TN werden die wirksamen Interaktionssysteme im Team und in der Teamsupervision erprobt und ausgewertet.
Dabei werden die Aspekte Aufgabenstellung, Kommunikation und Interaktion sowie dynamischer Verlauf gesondert analysiert. Das Geschehen im Team wird somit zum Supervisionsfall und Modell.
Durch praktische Übungen gewinnen die TN so Erkenntnisse über Resonanz- und Spiegelungsphänomene und können Re-Inszenierungen aus der eigenen Persönlichkeitsorganisation entdecken und analysieren.
Die TN erfahren im Wechsel von Einzel-, Team- und Gruppensupervision deren Unterschiede und können diese voneinander abgrenzen; ebenso werden die Gemeinsamkeiten und Differenzen von Supervision und Coaching sowie Therapie und Beratung verdeutlicht.
Daraus ergibt sich die Beschäftigung mit der Frage, welchen Sinn Gruppen- und Teamsupervisionen im beruflichen Kontext der Supervisanden/innen haben und bei welchem Auftrag welche Form angemessen ist. Hierbei muss identifiziert werden, ob und wie sich kollaborative Formen der Zusammenarbeit anbieten, welche komplementären Rollenerwartungen einfließen und zu Konflikten, Mobbing und kollektiver Arbeitsverweigerung führen können.
Konflikte werden in diesem Zusammenhang auf ihre systemischen Ursprünge (Normen, Kultur, Machtstrukturen) analysiert und moderiert. Hemmende Haltungen und Handlungen sollen einsichtig gemacht und supervisorisch beratend modifiziert.
Ziele Die TN können die Merkmale der einzelnen Settings sowie die Schnittmengen und Unterschiede beschreiben. Sie lernen dynamische Prozesse der Teamentwicklung und -arbeit zu analysieren und zu steuern. Sie erwerben die Kompetenz, dem jeweiligen Auftrag/dem jeweiligen Supervisanden das richtige Setting zuzuordnen und dieses zu organisieren und zu leiten.
Die TN können gruppen- und soziodynamische Prozesse von psychodynamischen unterscheiden.
Sie erlernen Konflikte auf die Anteile des Einzelnen und die des Systems hin zu analysieren und zu moderieren.
Die TN können in Teams eine herausgehobene Stellung beziehen und Verantwortung für die Leitung/Gestaltung übernehmen.
Arbeits­formen Impulsreferat; Rollenspiel; Videoanalyse; Kleingruppenarbeit; Diskussion praktischer Beispiele und relevanter Literatur; häusliches Theorie- und Literaturstudium
Leistungs­nachweis Aktive Beteiligung an Diskurs und Diskussion; schriftliche Hausarbeit
Dozent(en) Adrian Gärtner, Annette Gerlach
Literatur Das direkte und indirekte Spiegelungsphänomen, in Pühl: Handbuch der Supervision, Peter Kutter, 1990
Dauer 50 Stunden (1 Woche/5 Tage à 10 Unterrichtsstunden)
Modul 5 Handeln und Intervenieren in Gruppen; Fremd- und Selbststeuerung
Inhalte In diesem Modul befassen sich die TN mit den zentralen Begriffen und Schlüsselphänomenen der Gruppendynamik.
Jeder von uns verfügt über unterschiedliche Erfahrungen in und mit Gruppen. Wer diese kennt, ist weniger gefährdet, die eigenen Gruppenerfahrungen in neue Gruppenzusammenhänge "hineinzusehen".
Die eigene Ausbildungsgruppe wird zum Lernort, an dem sich die klassischen gruppendynamischen Prozesse erfahren, analysieren, reflektieren und beeinflussen lassen. Sie werden für Gruppenprozesse wie Gruppenphasen, Strukturierung, Rollenentwicklung, das Zusammenspiel zwischen Mehrheiten und Minderheiten, Meinungsbildung, Emotionalität, Umgang mit Autorität und Entscheidungen sensibilisiert.
Die gemeinsame Diagnose gruppendynamischer Prozesse wird vertieft und mit der eigenen Praxis in Beziehung gesetzt.
Diese Kompetenzen sollen die TN auf eigene Supervisionsgruppen sowie in Teams und Organisationen übertragen können. Das kann geschehen, indem sie diese als Arbeitsinstrument im Sinne von kooperativer Teamarbeit erfassen, beobachten und steuern bzw. Selbststeuerungsprozesse in Gang setzen.
Durch wechselnde Settings, Mehrfachzugehörigkeit und die durchgängige Verschränkung von Theorie und Praxis entwickeln die TN ihre Sensibilität für Gruppenprozesse und sammeln theoretische und praktische Kenntnisse und Erfahrungen (Gruppenprozessanalyse).
Ziele Die TN sind fähig, gruppendynamische Prozesse zu beobachten, terminologisch zu beschreiben sowie zu analysieren. Sie können unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven einnehmen und verstehbar ansprechen.
Ihr theoretisches Wissen und ihre praktischen Kenntnisse können sie einsetzen, um Gruppenprozesse in verschiedenen Settings innerhalb und außerhalb des Instituts angemessen zu steuern und für die gemeinsame Teamarbeit fruchtbar zu machen. Sie nehmen unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven ein und tauschen sich darüber aus.
Die TN sind in der Lage, die Erfahrungsergebnisse aus der Lerngruppe auf Supervisionsgruppen zu übertragen und dort praktisch anzuwenden.
Arbeits­formen Plenum; Referat; Literaturstudium; Diskussion; (Klein-) Gruppenarbeit; Rollenspiele; Videoanalyse
Leistungs­nachweis Prozessanalyse/Fallstudie (individuell; Kleingruppe); schriftliche Hausarbeit
Dozent(en) Nando Belardi, Annette Gerlach
Literatur Supervision für helfende Berufe, Nando Belardi, 2015. Weitere Literatur in der Veranstaltung
Dauer 50 Stunden (1 Woche/5 Tage à 10 Unterrichtsstunden)
Modul 6 Struktur und Dynamik von Organisationen
Inhalte Anhand einschlägiger Literatur werden grundlegende Entwicklungen und Kenntnisse über die Entstehung, Formen und Funktionen von Organisationen allgemein und speziell aus dem eigenem Berufskontext vermittelt.
Auf dieser Basis wird erarbeitet, wie man eine formale Struktur erkennt, welche Zielsetzungen verfolgt werden und welche Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Entscheidungs- bzw. Kommunikationswege sich daraus ergeben.
Es wird thematisiert, dass gesellschaftliche Tendenzen und administrative Maßgaben die Rahmenbedingungen von Organisationen und ihrer Mitarbeiter verändern. In Organisationen (z.B. Organisationsgeschichte, Organisationsphase und Organisationskultur) kommt es zum Anpassungsdruck sowie zu hemmenden Einflüssen auf formale und informelle Abläufe und Prozesse.
Rationalisierung, neue Trägerschaften, Verschlankung und Fusion führen zur Erschütterung und Auflösung ehedem Halt gebender Strukturen. Aus der Analyse dieser Prozesse erkennen die TN die Aufgabe von Supervision, wie z.B. durch Containing Regression und Spaltungsprozesse aufzufangen.
Ziele Die TN können grundlegende theoretische Aspekte nutzen, um die Form, Funktion und Zielsetzung unterschiedlicher Organisationen zu analysieren. Sie können formale Organisationsstrukturen und Abläufe daraufhin untersuchen und bewerten.
Die TN unterscheiden zwischen informellen Kommunikations-, Entscheidungs- und Interaktions­strategien. Sie können mit den Beteiligten Wirkungen und Alternativen ansprechen.
Die hemmenden Einflüsse äußerer Veränderungen können identifiziert, moderiert und durch eine professionelle Supervisionshaltung als Container abgemildert werden.
Arbeits­formen Referat; Gruppenarbeit; Videoanalyse; Rollenspiel
Leistungs­nachweis Individuelle Prozessanalyse/Fallstudie; schriftliche Hausarbeit
Dozent(en) Nando Belardi, Annette Gerlach
Literatur Supervision für helfende Berufe, Nando Belardi, 2015. Weitere Literatur in der Veranstaltung.
Dauer 50 Stunden (1 Woche/5 Tage à 10 Unterrichtsstunden)
Modul 7 Reflexion, Transfer und Prüfung
Inhalte Die Inhalte der Ausbildung werden noch einmal zusammengefasst wiederholt; Fragen, Zweifel und Unklarheiten werden ausgiebig diskutiert und erörtert.
Die TN sollen den Verlauf der Ausbildung kritisch reflektieren und Anregungen geben können, die helfen, die Qualität der Ausbildung zu verbessern.
Ziele Die TN weisen die Kompetenz nach, zur Lösung einer supervisorischen Aufgabe mit einer distanziert-reflektierten Haltung, dem erforderlichen Wissen und einem umfangreichen Methodenrepertoire einen Supervisionsprozess lösungs- und entwicklungsorientiert strukturieren, organisieren und leiten zu können.
Arbeits­formen Plenum; Diskussion
Prüfungs­geschehen Individuelle schriftliche Ausarbeitung; Kolloquium
Prüfer: Adrian Gärtner, Bernd Jansen, Annette Gerlach

 

Vertiefungsmodule (VM): Themen, Inhalte, Ziele

VM 1 Supervision und Coaching (2-tägig)
Inhalte In diesem Modul geht es, ausgehend von der eigenen Praxis darum, die Rahmenbedingungen von Beratungsangeboten zu untersuchen. Auf diese Weise können wir die Unterschiede zwischen Supervision, Coaching, Organisationsberatung und Psychotherapie herausarbeiten.
Welche Folgen haben diese unterschiedlichen Formate im jeweiligen Beratungsprozess?
Das gilt auch für rechtliche und berufsethische Fragen sowie die Gestaltung von Kontrakten.
Die TN erhalten zu den einzelnen Aspekten weitere Literaturinputs und praktische Übungsaufgaben.
Ziele Die TN sollen ein den Bedingungen entsprechendes Konzept/Angebot entwerfen können, das bestehende und sich verändernde Elemente des Beratungssystems berücksichtigt.
Sie erkennen die Verbindung zwischen Beratersystem und dem zu supervidierenden System und lernen, Informationen einzuholen und zu koordinieren, um diese bei der Planung und Durchführung des Supervisionssprozesses zu berücksichtigen.
Arbeits­formen Plenum; Literaturinput; Diskussion; praktische Übungsaufgaben
Dozent(en) Nando Belardi, Annette Gerlach
Literatur Supervision für helfende Berufe, Nando Belardi, 2015. Weitere Literatur in der Veranstaltung
Dauer 20 Stunden (2-tägig à 10 Unterrichtsstunden)
VM 2 Supervisionsevaluation
Inhalte In diesem Modul werden die TN mit Hintergrundtheorien, der Evaluationslogik und verschiedenen Verfahren der Evaluation vertraut gemacht. Es geht um die Frage, wie Supervision und somit interaktionistische Theorien und Prozesse diagnostiziert werden können und Prozessbeobachtungen wissenschaftlich evaluiert werden.
Verfahren und Methoden der Evaluation werden praxisnah erläutert, indem die eigene supervisorische Erfahrung als Folie zur Erörterung der Lerninhalte dient. Dabei geht es besonders um Diagnosekompetenzen, Erhebungs- und Auswertungsmethoden, Prozessrekonstruktion, Evaluation von Prozessen und Einführung in die qualitative Sozialforschung samt Einführung in die Praxis der Felderschließung über den Prozess der Datenerhebung bis zur Datenauswertung.
Ziele Die TN können die Anwendungsmöglichkeiten der jeweiligen Methoden einschätzen und adäquat zur Erhebung und Analyse relevanter qualitativer Daten, auch computergestützt, auswählen und einsetzen.
Sie können ein eigenes qualitatives Bewertungsdesign entwickeln und sind in der Lage, rekonstruktive Forschungsmethoden praktisch auszuprobieren. Das umfasst den Feldzugang, die Datenerhebung sowie die Auswertung.
Arbeits­formen Plenum; Gruppenarbeit; Impulsreferat; Experteninterview; Fallstudien; Diskurs; Online-Recherche; praktische Übungen in Kleingruppen
Dozent(en) Adrian Gärtner, Annette Gerlach
Literatur Wird im Seminar nachgereicht
Dauer 10 Stunden (1-tägig à 10 Unterrichtsstunden)
VM 3 Entwicklungs- und Sozialpsychologie (2-tägig)
Inhalte In diesem Modul sollen wichtige Aspekte weiterer theoretischer Ansätze von Melanie Klein, Erich Fromm und Erik H. Erikson bearbeitet werden, um die Hintergründe und Motive des Verhaltens und Handelns der im Prozess Beteiligten besser verstehen zu können.
In der Interaktion zwischen Supervisor/in und Supervisand/in, zwischen Individuum und Organisation können Angst, Aggression, Gier, Scham und Tabuisierung, offen oder versteckt ausagiert, Prozesse störend beeinflussen. Sie müssen thematisiert und auf mögliche Ursprünge zurückgeführt werden können.
Ziele Die TN vertiefen und nutzen ihre theoretischen Kenntnisse, um die unbewussten Anteile und ihre hemmenden Einflüsse in der Interaktion zwischen Supervisanden/innen und Organisation und der eigenen deuten und praxisnah darauf reagieren zu können.
Arbeits­formen Plenum; Literaturstudium; Fallbeispiele; Diskurs; Rollenspiele
Dozent(en) Adrian Gärtner, Annette Gerlach
Literatur Wird in der Veranstaltung bekannt gegeben
Dauer 20 Stunden (2-tägig à 10 Unterrichtsstunden)
Zwischenauswertung Im Rahmen dieses Moduls findet eine Lernstandsbestimmung statt. Sie soll den Ausbildungskandidaten/innen Orientierung über ihren jeweiligen individuellen Lernfortschritt verschaffen.
VM 4 Konflikte
Inhalte Supervision wird häufig installiert, wenn sich Konflikte in einer Institution manifestieren und es dadurch zu Arbeitsbehinderungen kommt. Deshalb werden in diesem Modul Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt, die es ermöglichen, Konflikte qualitativ zu diagnostizieren und angemessen darauf zu reagieren.
Dabei lernen die TN, zwischen latenten, manifesten und umgeleiteten Konflikten ebenso wie zwischen "echten" und "hysterischen" zu unterscheiden. Sie lernen auch wichtige Aspekte weiterer theoretischer Ansätze kennen (z.B. Dahrendorf), die dazu befähigen, Konflikte in und zwischen Organisationen zu diagnostizieren.
Auf der Grundlage der Analyse eigener Supervisionsprozesse werden die unterschiedlichen Interventionsmöglichkeiten und ihre Bedeutung für Fallverläufe verdeutlicht und aufgezeigt.
Dabei sollen die Verantwortung und die Integrationsfähigkeit des Supervisors/der Supervisorin im Spannungsfeld von Aushalten und Deeskalation besonders verdeutlicht werden.
Ziele Die TN können Konflikte diagnostizieren und durch Wahl geeigneter Interventionsmaßnahmen managen.
Sie sind in der Lage, Interessensgegensätze herauszuarbeiten und bei den Konfliktparteien Interesse und Verständnis für die Gegenseite zu entwickeln.
Sie können verständlich machen und begründen, dass Konflikte und kompetentes Konfliktmanagement zum Repertoire professionellen Rollenhandelns im Arbeitsumfeld und im Supervisionsprozess selbst gehören.
Arbeits­formen Kleingruppen; Impulsreferat; Experteninterview; Fallstudien; Rollenspiel
Dozent(en) Adrian Gärtner, Annette Gerlach
Literatur Unveröffentlichte Texte von Adrian Gärtner
Dauer 10 Stunden (1-tägig à 10 Unterrichtsstunden)
VM 5 Inklusion und Transkulturalität in der Arbeitswelt
Inhalte Sowohl in der Supervision, wie auch in Beratung und Psychotherapie, haben wir es immer mit fremden Welten zu tun. Dazu gehören uns anfangs unbekannte Klienten, Familien, Gruppen, Teams oder Organisationen sowie deren Kommunikationsmuster. In diesem Modul wollen wir uns damit beschäftigen, wie unsere Gesellschaft dazu übergegangen ist, in den letzten Jahrzehnten sich mit ehemals abgespaltenem, verleugnetem Fremden zu beschäftigen. Menschen, die früher von Spezialdisziplinen wie "Heil- und Sonderpädagogik", "Ausländerpädagogik" oder "Altenhilfe" betreut wurden, sind heute Gegenstand von Inklusion, Integration oder einfach Zusammenleben. Beispielsweise sind Menschen mit Beeinträchtigungen, einer anderen Sprache, Hautfarbe, Herkunft oder eines höheren Alters in vielen Bereichen der Supervision heute der "Normalfall". Was ist eigentlich "normal"? Soll jemand irgendwohin integriert werden, weshalb und wohin eigentlich? Welche Werte gelten und welche Rolle spielen wir als Supervisorinnen und Supervisoren?
Ziele Inzwischen sind in den meisten Arbeitszusammenhängen solche oder ähnliche Fragen aufgetaucht. Deshalb können wir von unseren Erfahrungen ausgehen, diese vertiefen und eventuell theoretisch verallgemeinern: Unterscheidung von eigenen Erfahrungen, Werten und Zielen im Unterschied zu denjenigen der Supervisanden/innen bzw. deren Klienten und Klientinnen.
Arbeits­formen Großgruppe; Kleingruppen; Kurzreferat; Experteninterview; Rollenspiel; Theorie-Input
Dozent(en) Nando Belardi, Annette Gerlach
Literatur Wird in der Veranstaltung mitgeteilt
Dauer 10 Stunden (1-tägig à 10 Unterrichtsstunden)
VM 6 Macht und Machtstruktur (2-tägig)
Inhalte In diesem Modul wird vermittelt, dass Macht die Möglichkeit bietet, Einfluss auf Verhältnisse zu nehmen und dass sie in allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle spielt; Macht bedingt auf unterschiedliche Weise das Entstehen von Sozialstrukturen aus differenzierten persönlichen, sozialen oder strukturellen Einflusspotenzialen.
Aufgrund unserer Geschichte als Verein gegen sexuelle Gewalt, besonders aber, weil Macht in der Interaktion von Individuen untereinander und in Organisationen eine zentrale Rolle spielt, soll in diesem Modul fokussiert werden, eigene und äußere Machtansprüche zu erkennen, Machtstrukturen zu analysieren, deren konstruktive wie destruktive Wirkungen zu identifizieren und in der Supervision beratend anzusprechen.
Ziele Die TN werden die verschiedenen Formen und Quellen von Macht unterscheiden und beschreiben: Formale Autorität (Leitung/Hierarchie, Entscheidungsbefugnis), Wissens- und Informationsautorität, Führungsautorität.
Sie werden verschiedene Interventionsmöglichkeiten entwerfen, um die Ursache und Wirkung von Macht und Machtstrukturen besprechbar und veränderbar zu machen.
Arbeits­formen Präsenzseminar; Impulsreferat; Experteninterview; Fallstudien; Rollenspiel
Dozent(en) Adrian Gärtner, Annette Gerlach
Literatur Wird im Seminar nachgereicht
Dauer 20 Stunden (2-tägig à 10 Unterrichtsstunden)

 

Theoriegruppe:

In der Theoriegruppe geht es darum, die eigene Konzeptentwicklung auf Basis von lerntheoretischem Wissen zu festigen und zu erweitern. Es wird in diesem Ausbildungs-Modul besonders auf die Verbindung von Praxis und Theorie geachtet. Gegenstand dieser Theoriegruppe werden entwicklungspsychologische Bausteine sowie die duale Triebtheorie nach S. Freud sein.
Unter Hinzunahme der Ausarbeitung von H. Racker werden die Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene intensiv betrachtet.
Wir werden institutionelle und organisatorische Konzepte bezogen auf die Arbeitswelt in den Fokus der Betrachtung stellen.
Ziel der Theoriegruppe ist es, das eigene Handeln im Umgang mit den Supervisanden und Supervisandinnen besser zu verstehen, benennen und planen zu können.
Eine genauere Festlegung der Theorieblöcke wird in Absprache mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Ausbildung erfolgen.

 

Balintgruppe:

Die Balintgruppe wurde nach dem englischen Arzt und Analytiker Michael Balint benannt. In unserem Ausbildungskonzept bildet die Arbeit der Balintgruppe einen wichtigen Lernort. Dieser Lernort genießt im Gegensatz zu den anderen Orten der Ausbildung einen gewissen Freiraum, da er von der direkten Bewertung durch die Kursleitung befreit ist.
Bewertungsprozesse finden in der Balintgruppe natürlich trotzdem statt. Uns ist allerdings wichtig, dass ein/e Kandidat/in in seiner/ihrer Ausbildung auch die Arbeitsweise einer Balintgruppe kennenlernt, da diese Gruppenstruktur speziell die Kreativität fördert.

 

Lehrsupervision:

Der/die Ausbildungskandidat/in wird in der Lehrsupervision an seinen/ihren vorbewussten und ungelösten Konflikten arbeiten, die seine Arbeit als Supervisor/in einengen. Es wird mit Unterstützung des Lehrsupervisors oder der Lehrsupervisorin die Entwicklung eines/r reflektierten und kritischen Ausbildungskandidaten/in angestrebt.
In der Lehrsupervision wird der Ausbildungskandidat oder die Ausbildungskandidatin individuell bei seiner/ihrer praktischen Arbeit als Supervisor oder Supervisorin begleitet.

 

Lernsupervision:

Der/die Ausbildungskandidat/in wird während der Ausbildung bereits eigene Supervisionstätigkeiten durchführen und dabei praktisch einüben, ein supervisorisches Identitätsprofil auszubilden und sein/ihr Wissen und Können zur Identifikation, Analyse und Lösung supervisorischer Aufgaben kompetent zu organisieren, anzuwenden und zu evaluieren. Die persönlichen Erfahrungswerte aus diesen Supervisionsprozessen sind Gegenstand der Reflektion innerhalb der Gruppenarbeiten während der Ausbildung. Die praktische Erfahrung aus der Lernsupervision schließt auch die Akquisition von Supervisanden ein, um deren Gewinnung sich der/die Ausbildungskandidat/in selbst kümmern muss.

 

Ablaufschema:

Die Ausbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von max. 3 Jahren und ist wie dargestellt organisiert.
(Alle Zeitangaben in Unterrichtsstunden zu 45 min)

Modul 1 Qualifizierte Supervision -
Auftrag und Selbstverständnis
50 Präsenz­stunden
VM 1 Supervision und Coaching
(2-tägig)
20 Beginn
Lehrsuper-/
Lernsuper­vision

50 + 90 Std.
Beginn
Theorie-Gruppen
(5 - 6 TN);
Selbst­studium

8 Treffen
à 8 Std.
VM 2 Supervisionsevaluation 10
Modul 2 Theoriegestützte Supervision 50
VM 3 Entwicklungs- und Sozialpsychologie
(2-tägig)
20 Beginn
Balint­gruppen

15 Sitzungen
à 4 Std.
Zwischenauswertung
Modul 3 Rolle und Identität 50
VM 4 Konflikte 10
Modul 4 Team- und Gruppensupervision 50
VM 5 Inklusion und Transkulturalität in der Arbeitswelt 10
Modul 5 Handeln und Intervenieren in Gruppen;
Fremd- und Selbststeuerung
50
VM 6 Macht und Machtstruktur
(2-tägig)
20
Modul 6 Struktur und Dynamik von Organisationen 50
Modul 7 Reflexion, Transfer und Prüfung 50

 

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